zusätzliche Ausbildung der Bürger im Luftschutz
und das Warten vor den Geschäften beeinträch-
tigte die Gartenarbeit, so dass die Gärten lange
nicht mehr den einst schönen Charakter hatten.
Durch den „totalen Krieg" wurden auch die noch
älteren und ganz jungen Gartenfreunde zu ihrer
Arbeit zum „Volkssturm", als Flakhelfer und
Luftschutzhelfer verpflichtet. Der Garten wurde
zwar zum lebensnotwendigen Anhängsel (Er-
nährung), konnte aber in dem erforderlichen
Maß nicht mehr bestellt werden. Als der Krieg
längst entschieden war, flogen amerikanische
Bomber in der Nacht vom 10. zum 11 April 1945
einen Angriff auf den Bahnhof Wahren. Viele
Sprengbomben verfehlten ihre Ziele und vier
davon landeten in unserer Anlage. Die Kolon-
ade mit dem Spielgeräteschuppen und zwei gro-
ße Kastanienbäume fielen den Bomben zum
Opfer. Ein weiterer Treffer zerstörte die Kantine
fast komplett. Glücklicherweise gab es keine
Opfer, weil die polnischen Zwangsarbeiterinnen
nicht anwesend waren. Da noch zwei weitere
Bomben erheblichen Schaden angerichtet hatten,
wurden viele Gärten in Mitleidenschaft gezogen.
Mit dem Kriegsende in Mai 1945 begann auch
im Verein „Wahren 1901" eine neue Zeit. Ein
neuer Vorstand unter Leitung der Herren A.
Heinze und den Antifaschisten A. Schoppe und
M. Hoffmann begann dem Verein ein neues Ant-
litz zu verschaffen. Hauptaufgabe war die Be-
seitigung der Kriegsschäden durch den Wieder-
aufbau der Kantine. Dabei gab es große Unter-
stützung durch das „Nationalkomitee Freies
Deutschland" und den aktiven Genossen der
KPD und der SPD,sowie von Freunden und Bür-
gern aus Wahren. Mit Hilfe der sowjetischen
Besatzungsmacht und der genannten Organisa-
toren bekam die Anlage zwei der am Tennisplatz
Wahren gelagerten Behelfsheime - eine Erfin-
dung Hitlers zur Linderung des Wohnungsnot-
standes. Diese wurden durch die Gartenfreunde
und mit aktiver Unterstützung des Kohlenhänd-
lers Borrmann und des Futtermittelhändlers
Leipzig. Das 55. Gründungsfest der
Kleingartengruppe „Leipzig-Waren
1901" feierten die Gartenfreunde
unter Mitwirkung ihrer Musik- und
Singgruppen. Unter den Ehrengästen
befanden sich drei Jubilare mit ihren
Frauen, die seit der Gründung einen
Garten haben und sich heute noch
durch beispielhafte Mitarbeit aus-
zeichnen-
                                  E. M.
Gemeinsam geschafft
Etwa 2200 DM spendeten die 170
Mitglieder der Kleingartengruppe
„Leipzig-Wahren 1901" für die Um-
gestaltung des Gruppenheimes. An
den Bauarbeiten, an denen zahl-
reiche Gartenfreunde beteiligt waren,
hatten die Gartenfreunde Stelzner,
Hofmann und Dümke besonderen
Anteil. 612 freiwillige Arbeitsstun-
den wurden insgesamt geleistet. E. M.
 
Heinze per Pferdefuhren befördert. Gleichzeitig
wurde in einer der ersten genehmigten Ver-
sammlung unter freiem Himmel beschlossen, ei-
nen großen Teil von Dahrlehnsscheinen (Wert
50,) an Mitglieder und Freunde zu vergeben,
damit zu finanzierende Arbeiten bezahlt werden
konnten. In den späteren Jahren wurden diese
Anteilscheine anläßlich der Jahreshauptver-
sammlungen ausgelost. Dieses war möglich, weil
die Kantinenpächter nur einen geringen Pacht
zahlten und der Verein am Umsatz beteiligt war.
Hierbei muß aber auch gesagt werden, dass vie-
le Mitglieder und Förderer auf ihren Beitrag ver-
zichteten und damit zur finanziellen Gesundung
beigetragen haben, z.B. Schlossermeister K. und
K. Stelzner, Fleischermeister Stubert und Vogel,
Bäckermeister Kühn, Kürschnermeister Clemens
und Otto, Gartenfreund Pörschmann, Malermei-
ster Bornschein, Futtermittelhändler Heinze u.a.
Der neue Vorstand hatte aber gleich nach 1945
eine schwere Aufgabe zu erfüllen, denn der Hun-
ger war groß und so wurde der größte Teil des
Spielplatzes der gärtnerischen Nutzung zuge-
führt und in kleine Parzellen aufgeteilt. Um die