Der Mischkulturgarten

 

Erste Voraussetzung für einen Mischkulturgarten ist, dass wir Kleingartenbesitzer uns frei machen von althergebrachten Vorstellungen. Nur wer ohne Voreingenommenheit diese Art von Gartenbau wagt und zielbewusst durchführt, kann alle ihre Vorzüge genießen. Wir sollten in unseren Gärten versuchen, von der Beetweisen Monokultur abzukommen, da die reihenweise angeordnete "Mischkultur" viele Vorzüge bringt.

 

Was ist Mischkultur?

Unter Mischkultur verstehen wir den gleichzeitigen Anbau verschiedener Gemüsearten und /oder Kräuter auf einem Beet. Die Mischkultur ist ein aufeinander abgestimmter Fruchtwechsel innerhalb des Gartenjahres. Dabei werden beim Anbau verschiedener Gemüsearten immer solche Arten zusammengefasst, die in ihrem Aussaat- und Pflanztermin zusammenpassen, wobei eine unterschiedliche Reifedauer und Erntezeit keine Rolle spielt.

Schon zu Großvaters Zeiten und noch viel früher wurde diese Art des Gemüse-anbaus genutzt . Leider ist aber vieles davon in Vergessenheit geraten.

 

Gerade in unseren Kleingarten sollten wir auf die Mischkultur zurück  greifen aus mehreren Gründen:

ü      Optimale Ausnutzung des Bodens

ü      Anbau verschiedener Gemüse und Kräuter gleichzeitig auf einem Beet

ü      Fernhalten bzw. Abwehr von Krankheiten und Schädlingen

ü      Anlocken von Nützlingen durch Kräuter

ü      Pflanzen fördern sich gegenseitig im Wachstum

ü      Bessere Nährstoffausnutzung des Bodens

ü      Unterdrückt Unkrautwuchs

ü      Hält Feuchtigkeit im Boden und sorgt für lockere Krume

ü      Die Kräuter können wir dann ständig frisch in der Küche nutzen

 

Auf den ersten Blick erscheint die Mischkultur wie ein großes Durcheinander. Eine Fülle von Details ist zu beachten, die das Ganze schwer durchschaubar machen. Das Dickicht lichtet sich jedoch, wenn wir einige wesentliche Grundprinzipien berücksichtigen. Wichtig für die konkrete Planung einer Mischkultur ist, das gute und förderliche Nachbarschaften zwischen den Kulturpflanzen genutzt und schlechte gemieden werden.

Dazu die folgende Tabelle:

 

Pflanze

Gute Nachbarn

Schlechte Nachbarn

Buschbohnen

Kohlarten, Kopfsalat, Pflücksalat, Gurken, Sellerie, Kartoffeln, Tomaten, Rote Beete, Bohnenkraut

Fenchel, Erbsen, Knoblauch, Lauch, Zwiebeln

Endivien

Stangenbohnen, Lauch, Kohlarten

.

Erbsen

Möhren, Radieschen, Gurken, Zucchini, Mais, Kopfsalat, Kohlarten, Kohlrabi,

Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, Bohnen, Kartoffeln

Erdbeeren

Kopfsalat, Lauch, Radieschen, Buschbohnen, Spinat

Kohlarten

Fenchel

Gurken, Feldsalat, Zichoriensalat, Pflücksalat, Kopfsalat, Endivien, Erbsen,

Tomaten, Bohnen

Gurken

Mais, Bohnen, Erbsen, Sellerie, Kohl, Zwiebeln, Lauch, Rote Beete, Kopfsalat,

Tomaten, Kartoffeln, Radieschen

Kartoffeln

Kohlarten, Kohlrabi, Spinat, Mais, Meerrettich, dicke Bohnen,

Sonnenblumen, Tomaten, Kürbis, Gurken, Sellerie

Kohlarten

Kartoffeln, Sellerie, Rote Beete, Tomaten, Spinat, Pflücksalat, Kopfsalat, Endivien, Lauch, Erbsen,

Senf, Zwiebeln, Knoblauch, Erdbeeren

Kohlrabi

Bohnen, Spinat, Spargel, Sellerie, Schwarzwurzel, Rote Beete, Radieschen, Lauch, Kopfsalat, Kartoffeln, Erbsen

.

Kopfsalat

Radieschen, Möhren, Gurken, Erdbeeren, Zwiebeln, Zichoriensalat, Tomaten, Bohnen, Spargel, Schwarzwurzeln, Rote Beete, Mais, Lauch, Kohlrabi, Kohlarten, Erbsen

Sellerie, Petersilie

Lauch

Zwiebeln, Sellerie, Möhren, Tomaten, Schwarzwurzeln, Kopfsalat, Kohlrabi, Kohlarten, Erdbeeren, Endivien

Bohnen, Rote Beete, Erbsen

Mais

Tomaten, Kopfsalat, Bohnen, Gurken, Zucchini, Kürbis, Melonen, Kartoffeln

Sellerie, Rote Beete

Mangold

Radieschen, Rettich, Kohlarten, Möhren

.

Meerrettich

Kartoffeln, Obstbäume

.

Möhren

Zwiebeln, Tomaten, Zichoriensalat, Radieschen, Rettich, Mangold, Lauch, Erbsen, Schnittsalat, Schnittlauch, Schwarzwurzeln

.

Pflück/ Schnittsalat

Tomaten, Spargel, Schwarzwurzeln, Rote Beete, Radieschen, Rettich, Kohlarten

.

Paprika

Buschbohnen, Kohlarten, Knoblauch, Dill, Salat, Porree, Sellerie, Spinat,

Erbsen, Gurken

Radieschen/ Rettich

Kopfsalat, Tomaten, Bohnen, Spinat, Mangold, Kohlrabi, Kohlarten, Möhren, Erbsen

Gurken

Rote Beete

Zwiebeln, Kohlarten, Kohlrabi, Pflücksalat, Gurken

Stangenbohnen, Spinat, Kartoffeln, Mais, Lauch

Schwarzwurzeln

Lauch, Kopfsalat, Pflücksalat, Kohlrabi

.

Sellerie

Tomaten, Buschbohnen, Lauch, Kohlrabi, Kohlarten (vor allem Blumenkohl), Gurken

Mais, Kopfsalat, Kartoffeln

Spargel

Tomaten, Petersilie, Gurken, Pflücksalat, Kopfsalat

Kartoffeln, Zwiebeln

Spinat

Erdbeeren, Rote Beete, Tomaten, Stangenbohnen, Radieschen, Rettich, Kohlrabi, Kohlarten, Kartoffeln

.

Tomaten

Möhren, Spinat, Sellerie, Rote Beete, Radieschen, Rettich, Zichoriensalat, Pflücksalat, Petersilie, Kopfsalat, Mais, Lauch, Kohlrabi, Kohlarten

Kartoffeln, Gurken, Fenchel, Erbsen

Zichoriensalat

Tomaten, Stangenbohnen, Kopfsalat, Möhren

.

Zucchini

Zwiebeln, Stangenbohnen, Mais

.

Zwiebeln

Möhren, Rote Beete, Zichoriensalat, Kopfsalat, Gurken, Erdbeeren

Kohlarten, Bohnen, Erbsen

 

Die Mischkultur beachtet auch die unterschiedlichen Nährstoffansprüche der Pflanzen, sodass dadurch auch der Bodenmüdigkeit vorgebeugt werden kann. So teilt man die Gemüsearten in Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer ein.

 

Starkzehrer: Kohlarten, Gurken, Kartoffeln, Kürbis, Melonen, Sellerie, Tomaten, Zucchini, Zuckermais,

 

Mittelzehrer: Fenchel, Knoblauch, Kohlrabi, Möhren, Radieschen, Salate, Spinat, Zwiebeln, Porree, Rote Beete, Pastinaken, Wurzelpetersilie,

 

Schwachzehrer: Bohnen, Erbsen, Erdbeeren, Kräuter,

 

Der Bodenmüdigkeit durch die einseitige Entnahme eines Nährstoffs wird dadurch vorgebeugt, dass nicht zwei Starkzehrer zeitlich aufeinander folgend angebaut werden. Nach einem Starkzehrer folgen Mittel- und/oder Schwachzehrer. Gründüngung oder Leguminosen (stickstoffsammelnde Pflanzen) als Wintereinsaat oder Zwischenfrucht regenerieren den Boden.

Die Mischkultur macht es also möglich, dass wir starkzehrende Pflanzen neben mittel- und schwachzehrenden wachsen  lassen, damit nicht alle Pflanzen in der Nachbarschaft hohe Nährstoffansprüche stellen. Dadurch wird eine optimale Nutzung des Bodens ermöglicht. Neben Stickstoff sammelnde Pflanzen (z. B. Erbsen, Bohnen) setzt man Stickstoff verbrauchende Pflanzen (z. B. Kohl, Salat), so dass ein Nährstoffausgleich von Reihe zu Reihe stattfindet.

Aber auch tief wurzelnde Arten können mit flach wurzelnde Arten zusammen auf ein Beet gepflanzt werden. So ist eine optimale Nährstoffausnutzung des Bodens möglich.

Wie schon oben erwähnt können wir auch durch die Mischkultur mit Kräutern Krankheiten und Schädlinge abwehren.

Die Ursachen der positiven Wirkungen, die Pflanzen aufeinander und auf andere Organismen ausüben, sind vielfältig. In einigen Fällen wirken Düfte irritierend oder abschreckend auf Schadinsekten. Andere hemmende oder fördernde Substanzen werden über die Wurzeln abgegeben und aufgenommen. Andere Substanzen töten erwiesenermaßen Bakterien und Pilze. In der nachstehenden Auflistung sind einige Pflanzen mit ihren Wirkungen angeführt.
 

Pflanze

Bei-/Unterpflanzung von

Wirkung

Basilikum

Tomaten, Gurken, Kohl

gegen Mehltau und weiße Fliege

Bohnenkraut

Bohnen

gegen schwarze Bohnenlaus, Duftstoffe fördern das Wachstum und verbessern das Aroma der Bohnen

Borretsch

Insektenbestäubten Pflanzen, z.B. Gurken, Zucchini

lockt Insekten an

Brennnessel

Obstbäumen und Sträuchern

gegen Blattläuse, fördert die allgemeine Gesundung

Buchweizen

Sellerie

macht Kali aus dem Boden für Sellerie verfügbar

Dill

Möhren, Rote Bete, Kohl

fördert Keimfähigkeit der Möhren, Duftstoffe halten Schädlinge ab

Eberraute

Kohl
oder als Beeteinfassung

gegen Kohlweißling (durch abwehrende Duftstoffe)

Hafer

Dicke Bohnen

gegen schwarze Bohnenlaus

Kapuzinerkresse

Kartoffeln, Tomaten

gegen Läuse, fördert die allgemeine Gesundung

Kerbel

Salat

gegen Läuse

Knoblauch

Erdbeeren, Rosen

bakterizide und fungizide Wirkung

Lavendel

Rosen

gegen Ameisen und bedingt gegen Läuse

Meerrettich

Pfirsich, Kirsche

gegen Kräuselkrankheit und Monilia

Pfefferminze

Wein

gegen Mehltau

Rettich

Porree

gegen Lauchmotte

Ringelblume

Kartoffeln
Kohlarten

gegen Nematoden (Wurzelälchen), Drahtwürmer, 
erhöht den Ernteertrag, fördert die Bodengesundheit

Studentenblume

Tomaten, Kohl, Kartoffeln und Erdbeeren

gegen Nematoden, Viren und weiße Fliege

Wermut

Johannisbeeren

schützt vor Säulenrost

Zwiebel und Schalotte

Erdbeeren und Möhren

gegen Pilzkrankheiten und Spinnmilben, gegen Möhrenfliege

Schnittsellerie

Kohlarten

Schutz gegen Erdflöhe und Raupen

Folgende Pflanzen werden zur Geruchsirritierung von Schädlingen, die auf den Eigengeruch von Gemüsepflanzen spezialisiert sind, genutzt. Mit den Pflanzen können Kräuterbrühen angesetzt werden, die zur Anwendung kommen oder Zweige werden zwischen die Gemüsekulturen gelegt.

Eberraute, Pfefferminze
Salbei, Thymian

Kohlarten

gegen Kohlweißling

Rosmarin

Kohlarten, Möhren

gegen Kohlweißling und Möhrenfliege

Wermut

Porree

gegen Lauchmotte

 

Leider ist es immer abhängig von der Natur ob die Abwehr der Schädlinge auch gelingt. In manchen Jahren können die Schädlinge die Überhand gewinnen was wir natürlich verhindern wollen. Hier kommen schon wieder die Kräuter ins Spiel. Kräuter können auch Nützlinge anlocken. Wenn wir ihnen ein Leben in unseren Garten ermöglichen und diese sich „ wie zu Hause“ fühlen, dann danken sie es uns, indem sie für uns den Pflanzenschutz übernehmen.

Damit das aber gelingen kann sollten wir möglichst auf Pflanzenschutzmittel und mineralischen Dünger verzichten. Vielmehr sollten wir auf organische Dünger zurück  greifen oder auf Pflanzenbrühen und Jauchen, um unsere Pflanzen zu stärken.

Viele Nützlinge sind auf bestimmte Pflanzen bzw. Pflanzenfamilien angewiesen um zu überleben und um ihren Ruf als Pflanzenschützer gerecht zu werden.

Diese Pflanzen sind wertvolle Pollen – und Nektarspender für eine große Anzahl von Nützlingen.

 

Marienkäfer

(vertilgen Blattläuse)

 

Brennnessel, Ringelblume, Scharfgarbe, Dill, Kamille,

Schlupfwespen

(gegen weiße Fliege, Blattläuse, )

Brackwespe

(gegen Kohlweißling

 

Pastinake, Scharfgarbe, Dill, Liebstöckel, Fenchel, Kamille, Kerbel,

Florfliegen

(vertilgen Blattläuse)

 

Borretsch, Bienenfreund (Phacelia) , Dill, Scharfgarbe, Kamille, Buchweizen,

Schwebfliegen

(vertilgen Blattläuse)

 

Kerbel, Dill, Fenchel, Liebstock, Pastinake, Ringelblume, Kamille, Scharfgarbe, Bienenfreund (Phacelia),

 

Hier noch einige Pflanzen die dazu beitragen das sich die Nützlinge in unserem Garten heimisch fühlen können:

Thymian

Beifuss

Sonnenblume

Salbei

Lavendel

Schleierkraut

Pfefferminze

Baldrian

Margarite

Bohnenkraut

Johanniskraut

 

Ysop

Kornblume

 

Einjährige können wir zwischen unseren Gemüsearten pflanzen und die mehrjährigen zusammen in einen Nützlingsstreifen oder einfach in unsere Staudenbeeten integrieren.

Wichtig hierbei ist, dass wir möglichst viele Einzelarten pflanzen, die lange blühen und auch zu unterschiedlichen Zeiten, um immer ein ausreichendes Angebot für die Nützlinge zu haben.

Solche Nützlingsstreifen oder Beete brauchen auch wenig Pflege. Viele der Nützlinge überwintern unter den Pflanzen sodass diese immer erst im Frühjahr Stückweise zurück geschnitten werden sollten, damit die Nützlinge Zeit haben dort aus zuwandern. Das sieht vielleicht nicht immer perfekt aus aber es funktioniert. Außerdem sind die Samenstände eine willkommene Winternahrung für Vögel.

Geduld ist des Gärtners größte Stärke  !!

Diese Seite stammt von Silvia "Hexchen" Tuch, der Gartenfachberaterin unseres Vereins. Unter www.hexchen.de gibt es noch mehr Informationen!